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COMIC SANS Hate – woher kommt er?

Inhalt

Schriftart. Jeder von uns hat seine Eigene. Sei es in Druckschrift oder Schreibschrift. Je nachdem wie viel Bock wir haben, kann sie dann auch noch variieren…[1] Streng genommen sieht sogar der gleiche Buchstabe immer minimal anders aus. Ist ja auch logisch. Wir sind keine Computer.

Es gibt sie aber, die Schrift der Computer. Man nennt sie Font – eine digitale Fassung einer Schriftart. Man findet sie überall. Sei es in Büchern, Internet oder auch in Videos wie diesem hier. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen. Sei es schlicht, verspielt, extravagant oder einfach nur hässlich. Insgesamt kommt man aktuell auf 55.000 verschiedene Arten![2]

Und jeder dieser Schriftart lässt sich genauestens auseinandernehmen. Das macht man in der Typographie. Während sich in der Makro-Typographie die Gesamtgestaltung des Texts angesehen wird, seien es Zeilenabstände, Seitenformate oder Schriftgröße – schaut man sich in der Mikro-Typographie die einzelnen Feinheiten einer Schriftart an. Und da gibt es viele Merkmale, die ich hier nur einmal schemahaft darstelle da es hier sonst zu tief in die Schrift gehen würde – und zwar wortwörtlich. Was aber durchaus interessant ist, dass man Schriften am Computer neben der Schriftstärke und Lage auch in Kategorien einteilen kann: serif und serifenlos. Zu unterscheiden an den Serifen bzw. fehlenden Serifen. Achja… Symbole gibt’s auch.

In meinen Videos verwende ich serifenlose Schriftarten, wie Tafelschrift um die Fake-Tafel noch glaubwürdiger zu machen, und Open Sans, eine der beliebtesten Schriftarten überhaupt. Gerade als Webdesigner benutze ich diese serifenlose Schriftart häufiger. Es gibt aber auch eine Schriftart die noch populärer ist und die hässlichste dazu:

COMIC SANS

Die am meistgehaßte Schriftart aller Zeiten. Das Internet ist voll mit Bildern in denen Comic Sans durch den Kakao gezogen wird und es gibt sogar eigene Hass-Webseite mit Merch-Artikeln BAN-COMIC SANS! Auch der YouTuber Valentin Möller scheint die Schriftart nicht ganz ernst zu nehmen – so trägt er in seinen Videos ab und zu dieses T-Shirt – was ich übrigens genial finde. Denn auch ich habe als Gestalter irgendwie ein Problem damit Comic Sans für meine Webseiten oder Videos zu benutzen. Aber woher kommt eigentlich dieser Hass? Und wenn Comic Sans nicht die beste Schriftart ist. Welche ist es dann? Und die wichtigste Frage: warum zum Teufel benutzt meine Mutter immer noch Comic Sans?!

Wir werden alle Fragen beantworten. Na gut bis auf die letzte. Darauf gibt es keine Antwort. Also, warum lieben es alle… Comic Sans zu hassen?

Naja.. Comic Sans war zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie wurde ursprünglich von Vincent Connare (@VincentConnare) für die zur Benutzerführung verwendeten Sprechblasen von Microsoft Bob entwickelt. Also für den Bildschirm. Und da schneidet sie besser ab, als andere Schriftarten (Garamond 12px). Aber erst im Nachhinein merkte man… die Schrift passt nicht in die Sprechblasen. Dafür wurde sie später zu Windows 95 – Kinder ist das lang her ­– zu den Standardschriftarten von Microsoft hinzugefügt. Seitdem zählt sie zu den bekanntesten Schriftarten und wurde, natürlich, von sehr vielen Personen unüberlegt und unachtsam für den Druck eingesetzt – beispielsweise für Party-Einladungen, Werbeflyer oder Visitenkarten.

Und zu der Zeit war das etwas vollkommen Neues. Man konnte mit seinem eigenen Computer und einem Drucker diese Dinge selber gestalten und drucken – und dabei jede Schriftart benutzen die man wollte. Wow! Aber welche nehme ich denn nun? Sie konnten es nicht besser wissen – immerhin hatten sie vorher nicht diese Auswahl. Comic Sans fanden die meisten wohl am passendsten. Vielleicht weil es der Handschrift am nächsten kam?

Doch in den folgenden 10 Jahren wurde das Internet immer populärer – und dabei kam man wohl auf die super Idee Comic Sans zu verwenden. Für E-Mails wurde sie nämlich zur Standardschriftart. Man erreichte mit seinen „schön“ gestalteten E-Mails nicht mehr nur den Freundeskreis, sondern potentiell Millionen Menschen.

Neben dieser schrecklichen Zeit entwickelte sich eine Berufsgruppe an: Die Grafikdesigner. Die Ausbildung an Designer-Schulen machte auch die Produktion von qualitativhochwertigen Druckprodukten attraktiver und damit populärer.

Sie sahen die Dinge aber nun durch vollkommen neue Augen: 95% der designten Sachen sahen halt Scheiße aus. Falsche Schriftarten, schlechte Farbauswahl und eigentlich wurde alles falsch gemacht was man falsch machen konnte. Die Fackeln und Mistgabeln wurden im rausgeholt. Im Endeffekt wird Comic Sans gehasst, weil sie so häufig verwendet wurde und immer noch verwendet wird.

Wer heutzutage Comic Sans nutzt, wird nicht ernst genommen. So ähnlich wie das verwenden einer @aol.com Mail oder das nutzen von StudiVZ – gibt es das überhaupt noch? Für alle die trotzdem Comic Sans als die Schriftart ihrer Wahl sehen: 2014 wurde eine kostenlose und modernisierte Form veröffentlicht: Comic Sans Neue. Link dazu in der Videobeschreibung.

Beste Schriftart 

Okay… wir haben fest gestellt das Comic Sans nicht beste Wahl für Flyer oder Webseiten ist. Aber welche von den 55.000 Schriftarten ist es dann? Beginnen wir vielleicht bei der ersten Schriftart: Textura. Natürlich noch nicht digital, aber als Druckplatte um Buchstaben in Büchern schneller und immer im selben Schriftzug zu drucken. Es gibt sie zwar inzwischen auch digital – aber meine Bewerbung würde ich damit nun nicht schreiben. Vor allem ist sie recht dick und würde viel Tinte verbrauchen.

Und diesen Gedanken hatte der damals 14-Jähriger Mirchandani aus Pittsburgh gehabt – ich wiederhole: 14 Jahre. Ihm ist nämlich aufgefallen das an seiner Schule recht viel in Times New Roman gedruckt wird. Die heutige Standardschriftart bei vielen Anwendungen. Tinte kostet heute auf 100 ml gesehen genauso viel wie das Parfum Chanel No 5. Aus diesem Grund hat er für Century Gothic, Comic Sans, Garamond und Times New Roman, die am meist genutzte Schriftart, ausgerechnet bei welcher man am wenigsten Tinte beim Drucken verbraucht. Der Gewinner: Garamond. Er rechnete weiterhin: Würde die US-Regierung für alle Drucke von Times New Roman auf Garamond wechseln, würden sie pro Jahr 136 Millionen Dollar sparen. Damit ist sie doch die perfekte Schriftart für alles, oder?

Was ist, wenn ich nur begrenzt Platz habe Garamond würde da recht breit sein. Dafür eignet würde sich Microsoft Sans Serif besser. Sie ist platzsparender. Nun können wir hier mal schauen wie es mit diesem Kaudwelsch aussieht: lmAN0oP. Kannst du die einzelnen Buchstaben dieses generierten Passworts lesen? Ist das erste ein „L“ oder ein großes „I“? Ist das nun eine 0 oder ein großes „O“? Und auch hierfür gibt es eine geeignetere Schriftart: Bitstream.

Denn unter der Schriftart sieht das Passwort so aus: lmAN0oP. Man erkennt nun sofort das es sich hier um ein L und hier um eine Null handelt. Aber ich würde nie auf die Idee kommen diese Schriftart zu verwenden um Infos auf meiner Tafel hier dar zustellen. Was ich damit sagen will: es gibt keine perfekte Schriftart.

Alle die nach dem Video nach schönen Schriftarten suchen sollten sich den Satz „The quick brown fox jumps over the lazy dog“ merken. Jap. Das was zur erst kein Sinn ergibt, hat einen tieferen Sinn. Es ist ein so genanntes Pangramm. Es verwendet alle Buchstaben des Alphabets und ist so ideal um eine Schriftart in allen Facetten zu sehen.

Was ist nun unser Fazit?

Na es kommt auf die Anwendung an. Will ich etwas Drucken und Geld sparen? Will ich für ein Fantasy Event etwas gestalten? Will ich Passwörter darstellen? Je nach Anwendung gibt es eine bessere Wahl. Nur eine solltet ihr meiden wenn ihr ernst genommen werden wollt – Comic Sans.

Wer jetzt noch dran geblieben ist kann sich noch ein Easter Egg hier auf YouTube gönnen:

Dafür müsst ihr nur an eurem Computer, nicht am Handy, in der Suche nach „Doge Meme“ suchen und schauen was passiert. Das ist doch ein schönes Ende.