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Unser zweites Gehirn (Darm)

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Ob Veganer, Vegetarier oder Fleischesser, unser Bauch kann vor und nach dem Verzerr mehr als nur diese Geräusche verursachen. *grummel* *pups* Es ist ein Intelligenzzentrum mit mehr als 200 Millionen Nervenzellen. Die Wissenschaft konnten nun nachweisen was uns schon lange klar war: Liebe führt zu Schmetterlingen im Bauch, unangenehmes liegt schwer im Magen und manchmal entscheiden wir nach unserem Bauchgefühl. Oder wir müssen einfach pupsen. Es scheint als wenn das Gehirn uns nicht allein kontrolliert.

Das Gefühl „gib mir mehr!“ bei (F)ettreicher Nahrung wie Pommes Frites lässt sich übrigens auch auf den fiesen Darm schieben. (FETT in groß und dick).

In unserem Darm sitzen nämlich nicht nur Millionen Nervenzellen, sondern auch 100000 Milliarden Bakterien die unsere Persönlichkeit beeinflussen, unseren Appetit steuern und unsere Stimmung verändern. Wissenschaftler sprechen deswegen auch von einem „zweiten Gehirn“. Unser ca. 8m langes Organ spielt eine wichtigere Rolle als wir zu vor angenommen haben.

Beide Gehirne sind sich sehr ähnlich. Das obere Gehirn wird als zentrales Nervensystem und das untere Gehirn als enterisches Nervensystem bezeichnet.

Doch warum ist das so?

Die ersten primitiven Mehrzeller bestanden nur aus einem Verdauungstrakt aus dem sich später ein enterisches Nervensystem gebildet hat. Erst die Evolution sorgte dafür, um unsere Ernährung zu verbessern, dass unser Kopf Hirn um ein Vielfaches wuchs. Denn durch das Grillen des Fleisches, das er Homo ergaster vor 1.5 Millionen Jahren entdecke, war das Essen sozusagen vorverdaut. Das verringerte die Kauleistung, so das weniger Energie für die eigentliche Verdauung verbraucht wurde. Es stand mehr Energie zur Verfügung für die Entwicklung eines großen Gehirns, unser heutiges Gehirn. Das Gehirnvolumen verdoppelte sich in den tausenden Jahren.

Und dank unseres großen Gehirns können wir heute mehr als nur verdauen. Wir können kommunizieren, fühlen und ergründen. Dabei stehen sich beide Gehirne nicht mal im Weg – im Gegenteil. Das Gehirn arbeitet durch die Auslagerung in den Darm viel effizienter, ähnlich wie ein Computer. Stellt euch vor ihr könntet euren PC nur mit Tastatur bedienen. Ahhh! Früher war das normal. Dank der Maus können wir heute bequemer Katzen Videos ansehen.

Neurotransmission

Unser Gehirn kommuniziert über den Vagus-Nerv (Nervus Vagus) mit den weiteren 200 Millionen Nervenzellen aus dem Darm über eine gemeinsame Sprache – nein, kein Klingkonisch, sondern Neurotransmission. In der Sprache verwenden sie dieselben Wörter, die man als Neurotransmitter bezeichnet, um sich untereinander zu verständigen. Eines dieser Wörter ist das Hormon Serotonin das im Gehirn für unsere Stimmung und im Darm für die Verdauung zuständig ist. Das erstaunliche dabei: dieses Hormon wird zu 95% in unserem Magen-Darm-Trakt produziert. Es zeigt das sich nicht nur unsere Gefühle auf den Bauch auswirken, sondern unser Bauch die Gefühle von uns beeinflussen kann.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen.

Durch Kommunikationsprobleme entstehen nicht nur in Beziehungen unangenehme Folgen sondern auch im Darm – wie das Reiz-Darm-Syndrom das zu schmerzen im Bauchbereich führt. Diese ungewöhnliche Störung ermöglicht es Forschern erst neue Erkenntnisse zu gewinnen. Durch die ungefährliche Untersuchung der Darmwände, in denen sich die Nervenzellen des enterischen Nervensystems befindet, lassen sich rechtzeitig Schlüsse auf Gehirnerkrankungen ziehen. Die Parkinson-Krankheit, die motorische Störungen zur Folge hat, lässt sich so früher erkennen. Unser Darm öffnet eine Tür zu unserem Gehirn.

Bakterien

Die Schlüssel dazu sind die Bakterien. An dem französischen Institut INRA erforscht Dusko Ehrlich verschiedene Lebensräume von Mikroorganismen, die Mikrobiome, wie zum Beispiel der Bakterien. Und es hat geklappt. Er hat die DNA, die aus 100000 Milliarden Bakterien besteht, untersucht und die 3 Millionen verschiedenen Gene katalogisiert. Krass. Seine überraschendste Entdeckung: die Menschen lassen sich in 3 Darmflora-Typen einteilen. Diese sogenannten Enterotypen sind vergleichbar mit den Blutgruppen eines Menschens: Bacteroides, Prevotella, Ruminococcus. Ihr Unterschied liegt in der Fähigkeit zu verdauen und in der unterschiedlichen Produktion von Vitaminen.

Bakterien können auch unser Verhalten verändern. So hat der Biologe Stephen Collins zwei Gruppen von Mäusen, die einen ruhig, die anderen ehr aktiver, das jeweils andere Mikrobiom verabreicht. Plötzlich wurden die ehr stillen Mäuse sehr risikofreudig und die sonst aktiven Mäuse wurden ruhiger. Ob das die Geburt von Pinky und Brain waren?

Proboitika vs. Antiboitika

Funktioniert das auch für den Menschen? Wir verfügen über zwei Mittel um die menschliche Darmflora zu verändern. Antiboitika zum abtöten schädlicher Bakterien und Proboitika zur Entwicklung erwünschter Bakterien. Proboitika findet man zum Beispiel in Joghurts. In einer Studie ist es gelungen durch Proboitika Lebensmittel die Reaktion gesunder Menschen auf negative Emotionen zu verändern. Sie reagierten anders auf Stress als vor dem Verzerr. Heißt es also bald wirklich: „Du bist was du isst?“.

Unser Körper besteht aus tausenden Genen, Milliarden Nervenzellen und noch viel mehr Bakterien. Letztere beeinflussen uns über unser zweites Gehirn mit Hilfe von Neurotransmitter, wie Hormone. Durch Signale werden Hunger, Sattheit und Stimmung werden gezielt vom Mikroorganismus verändert um ideale Darmumgebung zu schaffen.

Eine wirkliche Intelligenz. Faszinierend und beängstigend zu gleich.

Frage: Was haltet ihr von unserem zweiten Gehirn? Seid ihr über hygienisch um Bakterien los zu werden?